Google Analytics 4 – die wichtigsten Infos zur Zukunft der Webanalyse

tl;dr In diesem Artikel stellen wir Google Analytics 4 vor und erklären dir, wie der Umstieg auf das neue Tool gelingt.

Letztes Update: 15. März 2023

Nachdem Google am 14. Oktober 2020 die lange erwartete neue Version von Google Analytics in einem Blogartikel auf der hauseigenen Marketing Platform erstmals offiziell vorgestellt hat, wird Google Analytics 4 am 1. Juli 2023 Universal Analytics (UA) endgültig ersetzen. Auf unserem Blog haben wir uns bereits in einigen Artikeln mit verschiedenen Aspekten von GA4 beschäftigt. In diesem Artikel möchten wir dir spannende Einblicke in die Entstehungsgeschichte sowie Charakteristika des Webanalyse-Tools geben.

Eine kurze Historie von Google Analytics

Was viele nicht wissen: Analytics ist keine Eigenentwicklung von Google, sondern eine Weiterentwicklung einer von der Urchin Software Corporation stammenden Technik. Im April 2005 übernahm Google den Konkurrenten. Diese Pre-Google-Version kann man als Version 1 von Analytics bezeichnen. Nachfolgend ein Screenshot eines knapp dreizehn Jahre alten Dashboards aus Urchin from Google.

Urchin Analytics

Im August 2006 ging Google mit Version 2 von Analytics (ga.js) weltweit und kostenlos an den Start. Übrigens: die noch heute bekannten UTM-Parameter bzw. UTM-Tracking sind nichts anderes als die Abkürzung für „Urchin Tracking Module“.

Bis 2012 wurden kaum größere Änderungen am Datenmodell durchgeführt. Vor elf Jahren brachte Google dann aber Version 3 von Analytics mit dem Namen Universal Analytics (analytics.js) auf den Markt und erweiterte die Messmethoden (z.B. Cross-Platform-Tracking, Custom Dimensions und Custom Metrics) und Produktverknüpfungen kontinuierlich. Bis zur flächendeckenden Ausbreitung von GA4 handelte es sich bei UA um jene Technik, welche auf den meisten Websites weltweit verwendet wurde.

2017 wurde mit dem Global Site Tag (gtag.js) mehr oder weniger die Version 3 1/2 von GA veröffentlicht. Mit der Einführung des gtags wurde der bis dahin größte Schritt gemacht, um das Tagging von Websites zu vereinheitlichen und damit die gesamtheitliche Implementierung zu vereinfachen.

Von Firebase zu APP+WEB

Das Tracking von Webseiten und Apps funktionierte in der Vergangenheit stets unabhängig voneinander. Im Bezug auf Apps (für iOS oder Android) wurde im Mai 2016 Google Firebase Analytics vorgestellt. Dank Firebase Analytics wurde das Tracking in Apps komplett revolutioniert: der Fokus lag auf einmal auf User:innen und Events anstatt wie zuvor auf Seitenaufrufen und Sitzungen. Gleichzeitig räumte man das Interface auf und gestaltete es visuell ansprechender.

Im Sommer 2019 wurde Firebase dann auch testweise für das Web ausgerollt. Erster Schritt war dabei die so genannte APP+WEB Property. Hier konnten erstmals Daten aus Apps (über Firebase) und Daten aus Webprojekten (über gtag) kombiniert getrackt werden. Diese Neuerung läutete quasi inoffiziell die neue Ära der Webanalyse ein, ohne dass es die breite Öffentlichkeit wirklich mitbekommen hatte.

Ich habe APP+WEB im September 2019 für meine private Website auf Basis einer Anleitung von Simo Ahava eingerichtet. Und zwar habe ich die APP+WEB Property nicht statt Universal Analytics, sondern ergänzend dazu eingebaut. Bestehende APP+WEB Konfigurationen wurden übrigens mittlerweile automatisch in GA4 umbenannt, wie man am nachfolgenden Screenshot sieht.

GA4 mit GTM

Die APP+WEB Property hatte im Beta-Stadium noch viele Einschränkungen bzw. Kinderkrankheiten: es gab u.a. keine Möglichkeit, zwischen automatisch gesammelten, empfohlenen und benutzerdefinierten Ereignissen (custom events) zu unterscheiden. Zudem es gab keine spezialisierten Reports wie etwa für die Seitensuche. Die größte Einschränkung war aber das vollständige Fehlen von E-Commerce Reports. Damit stand ein Einsatz von APP+WEB für jegliche E-Commerce-Projekte nicht zur Debatte.

Die Zukunft von Google Analytics beginnt

Bereits im Jahr 2019 wurde Google Analytics APP+WEB von Simo Ahava übrigens als „GAv2“ bezeichnet. Der finnische Analytics- und GTM-Guru hätte fast recht behalten. Nur bei der Versionsnummer hat er sich im Endeffekt getäuscht. Sein Projektname „GAv2“ wurde von Google offiziell „Google Analytics 4“ getauft und klingt daher eigentlich weniger revolutionär als erwartet. Denn es handelt sich bei GA4 definitiv um den größten Meilenstein seit der Übernahme von Urchin Analytics im Jahre 2005.

Google Analytics 4 nutzt Machine Learning, um automatisch nützliche Nutzer-Einsichten zu generieren und die Customer Journey über Geräte und Plattformen hinweg besser verfolgen und analysieren zu können. Smartere Einblicke für bessere Marketingentscheidungen und ein besserer ROI (Return On Investment) werden von Google als zentrale Aspekte für den Einsatz von GA4 genannt.

Generell liegt der Fokus auf der Messung der Kund:innen und nicht der Geräte. GA4 ermöglicht automatische Benachrichtigungen zu verschiedenen Trends in den vorliegenden Daten. Auf diese Weise können nicht nur sich verändernde Kundenbedürfnisse analysiert werden, sondern auch auch zukünftige Nutzungsmuster der gleichen Kund:innen(gruppen) vorhergesagt werden. Beispielsweise hilft die Ermittlung der Abwanderungswahrscheinlichkeit von Kund:innen (Churn Management) dabei, sich fokussierter auf die Kundenbindung zu konzentrieren.

Churn Management

Google Analytics 4 und Datenschutz

Webanalyse wird hinsichtlich des effizienten Einsatzes von Marketingbudgets für digitale Maßnahmen immer wichtiger. In einer Studie von Forrester Consulting haben die meisten Befragten geantwortet, dass die Verbesserung der internen Analytics-Prozesse eine Top-Priorität sei, weil bestehende Möglichkeiten es ihnen schwer machen, einen umfassenden Blick auf ihre Kund:innen und Einblicke in deren Daten zu bekommen.

Doch wie soll dieser verbesserte Einblick im Einklang mit Datenschutz funktionieren? Um Marketern in Zukunft trotz aller Stolpersteine wie DSGVO, EU-Cookie-Law, ITP (Intelligent Tracking Prevention) trotzdem valide Daten liefern zu können, liegt der unternehmensinterne Fokus bei Google ganz klar auf Künstlicher Intelligenz (KI) und Machine Learning. So werden beispielsweise nicht-personenbezogene Daten wie Gerät, Zeit oder Interaktionstyp durch so genanntes Modeling zusammengeführt und abgeleitet.

Apple ITP

Kostenlose Verknüpfung mit Big Query

Apropos Machine Learning und Daten. Rohdatenanalyse (big data) war bis zur Einführung von Google Analytics 4 nur sehr schwer möglich. Für eine Verbindung mit BigQuery musste man über Google Analytics 360 verfügen – der jährliche Kostenpunkt für diese Suite liegt jedoch im sechsstelligen Euro-Bereich. Mit der Einführung von GA4 ermöglichte Google eine kostenlose und uneingeschränkte Verknüpfung mit BigQuery.

Vorstellung von Google Analytics 4 auf YouTube

Google hat im hauseigenen Analytics-Kanal auf YouTube ein knapp fünf Minuten langes Video zu Google Analytics 4 hochgeladen, welches die Key Facts (Hintergründe, Funktionen) beschreibt. Dieses Video (auf Englisch) könnt ihr euch gleich unter dem Text anschauen.

Google Skillshop Kurs für den Einstieg in Google Analytics 4

Der Google Skillshop ist eine Plattform, in der Google verschiedenste Kurse für die eigenen Tools wie Ads, Analytics, MyBusiness, Tag Manager, Ad Manager uvm. bereitstellt. Seit 15. Oktober 2020 gibt es dort ebenfalls einen Einsteigerkurs für GA4.

Ich habe diesen Kurs bereits selber absolviert und empfehle dies auch allen Nutzer:innen, welche mehr über GA4 wissen wollen oder sich erst vor Kurzem mit dem Umstieg von Universal Analytics beschäftigt haben. So zeigt die nachfolgende Grafik aus den Kursinhalten beispielsweise, wie ein GA-Account aufgebaut ist – Wissen, das für einen effizienten Umgang mit dem Tool unerlässlich ist.

Google Analytics Account

Umstieg auf die Google Analytics 4 Property

Anfang März 2023 begann Google damit, bestehende Universal Analytics-Properties automatisch auf Google Analytics 4 zu migrieren (wir berichteten auf unserem Blog). Wenn du deinen Account noch nicht migriert hast bzw. er noch nicht migriert wurde, findest du alle Infos bzw. eine Anleitung zum Umstieg auf GA4 unter https://support.google.com/analytics/answer/10089681 bzw. https://support.google.com/analytics/answer/9744165?hl=en – nachfolgend eine Skizze der ersten Schritte.

  1. Bei Google Analytics anmelden und in die Verwaltungsebene wechseln (Zahnrad links unten).
  2. Unter Property auf die gewünschte UA-Property wechseln (wenn es nur eine Property in einem Konto gibt, ist diese automatisch ausgewählt).
  3. Auf den Button „Upgrade to GA4“ klicken.

Wer GA über den Google Tag Manager in seine Website eingebunden hat, für den gibt es eine gesonderte Anleitung. Außerdem hat Google eine Videoanleitung zur Einbindung über den GTM auf YouTube zur Verfügung gestellt.

Webanalyse bei MONOBUNT

Google Analytics 4 ist längst im Zentrum der Webanalyse angekommen. Daher es lohnt sich allemal, so schnell wie möglich auf den Trend aufzuspringen und eine GA4-Property anzulegen, sollte noch keine vorhanden sein – besonders vor dem Hintergrund des nahenden Endes von UA.

Du willst mehr Infos zu GA4 oder benötigst Hilfestellung bei der Implementierung der neuen Property auf deiner Website? Dann kontaktiere uns und wir stellen einen gemeinsamen Plan zur Konfiguration und Nutzung von Google Analytics 4 auf die Beine.

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