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Google Analytics 4 – die wichtigsten Infos zur Zukunft der Webanalyse

Am Nachmittag (PST) des 14. Oktober 2020 hat Google die lange erwartete neue Version von Google Analytics in einem Blogartikel auf der hauseigenen Marketing Platform offiziell vorgestellt. Die nächste Generation von Google Analytics trägt den offiziellen Namen Google Analytics 4.

Eine kurze Historie von Google Analytics

Was viele nicht wissen: Analytics ist keine Eigenentwicklung von Google, sondern eine Weiterentwicklung einer von der Urchin Software Corporation stammenden Technik. Im April 2005 übernahm Google den Konkurrenten. Diese Pre-Google-Version kann man als Version 1 von Analytics bezeichnen. Nachfolgend ein Screenshot eines knapp zehn Jahre alten Dashboards aus Urchin from Google.

Urchin Analytics

Im August 2006 ging Google mit Version 2 von Analytics (ga.js) weltweit und kostenlos an den Start. Übrigens – bis heute beginnen die Property-IDs von Google mit “UA” – was ursprünglich ein Akronym für “Urchin Analytics” war. Auch die noch heute bekannten UTM-Parameter bzw. UTM-Tracking sind nichts anderes als die Abkürzung für “Urchin Tracking Module”.

Bis 2012 wurden kaum größere Änderungen am Datenmodell durchgeführt. Vor acht Jahren brachte Google dann aber Version 3 von Analytics mit dem Namen Universal Analytics (analytics.js) auf den Markt und erweiterte die Messmethoden (z.B. Cross-Platform-Tracking, Custom Dimensions und Custom Metrics) und Produktverknüpfungen kontinuierlich. Bei UA handelt es sich um jene Technik, welche bis heute auf den meisten Websites weltweit verwendet wird.

2017 wurde mit dem Global Site Tag (gtag.js) mehr oder weniger die Version 3 1/2 von GA veröffentlicht. Mit der Einführung des gtags wurde der bisher größte Schritt gemacht, um das Tagging von Websites zu vereinheitlichen und damit die gesamtheitliche Implementierung zu vereinfachen.

Von Firebase zu APP+WEB

Das Tracking von Webseiten und Apps funktionierte in der Vergangenheit stets unabhängig voneinander. Im Bezug auf Apps (für iOS oder Android) wurde im Mai 2016 Google Firebase Analytics vorgestellt. Dank Firebase Analytics wurde das Tracking in Apps komplett revolutioniert: der Fokus lag auf einmal auf User und Events anstatt wie zuvor auf Seitenaufrufen und Sitzungen. Gleichzeitig räumte man das Interface auf und gestaltete es visuell ansprechender.

Im Sommer 2019 wurde Firebase dann auch testweise für das Web ausgerollt. Erster Schritt war dabei die so genannte APP+WEB Property. Hier konnten erstmals Daten aus Apps (über Firebase) und Daten aus Webprojekten (über gtag) kombiniert getrackt werden. Diese Neuerung läutete quasi inoffiziell die neue Ära der Webanalyse ein, ohne dass es die breite Öffentlichkeit wirklich mitbekommen hatte.

Ich habe APP+WEB im September 2019 für meine private Website auf Basis einer Anleitung von Simo Ahava eingerichtet. Und zwar habe ich die APP+WEB Property nicht statt Universal Analytics, sondern ergänzend dazu eingebaut. Bestehende APP+WEB Konfigurationen wurden übrigens mittlerweile automatisch in GA4 umbenannt, wie man am nachfolgenden Screenshot sieht.

GA4 mit GTM

Die APP+WEB Property hatte im Beta-Stadium noch viele Einschränkungen bzw. Kinderkrankheiten: es gab u.a. keine Möglichkeit, zwischen automatisch gesammelten, empfohlenen und benutzerdefinierten Ereignissen (custom events) zu unterscheiden. Zudem es gab keine spezialisierten Reports wie etwa für die Seitensuche. Die größte Einschränkung war aber das vollständige Fehlen von E-Commerce Reports. Damit stand ein Einsatz von APP+WEB für jegliche E-Commerce-Projekte nicht zur Debatte.

Die Zukunft von Google Analytics beginnt

Schon vor über einem Jahr wurde Google Analytics APP+WEB von Simo Ahava übrigens als “GAv2” bezeichnet. Der finnische Analytics- und GTM-Guru hätte fast recht behalten. Nur bei der Versionsnummer hat er sich im Endeffekt getäuscht. Sein Projektname “GAv2” wurde von Google offiziell “Google Analytics 4” getauft und klingt daher eigentlich weniger revolutionär als erwartet. Denn es handelt sich bei GA4 definitiv um den größten Meilenstein seit der Übernahme von Urchin Analytics im Jahre 2005.

Google Analytics 4 nutzt Machine Learning um automatisch nützliche Nutzer-Einsichten zu generieren und die Customer Journey über Geräte und Plattformen hinweg besser verfolgen und analysieren zu können. Smartere Einblicke für bessere Marketingentscheidungen und ein besserer ROI (Return On Investment) werden von Google als zentrale Aspekte für den Einsatz von GA4 genannt.

Generell liegt der Fokus auf der Messung des Kunden und nicht der Geräte. GA4 ermöglicht automatische Benachrichtigungen zu verschiedenen Trends in den vorliegenden Daten. Auf diese Weise können nicht nur sich verändernde Kundenbedürfnisse analysiert werden, sondern auch auch zukünftige Nutzungsmuster der gleichen Kunden(gruppen) vorhergesagt werden. Beispielsweise hilft die Ermittlung der Abwanderungswahrscheinlichkeit von Kunden (Churn Management) dabei, sich fokussierter auf die Kundenbindung zu konzentrieren.

Churn Management

Google Analytics 4 und Datenschutz

Webanalyse wird hinsichtlich des effizienten Einsatzes von Marketingbudgets für digitale Maßnahmen immer wichtiger. In einer Studie von Forrester Consulting haben die meisten Befragten geantwortet, dass die Verbesserung der internen Analytics-Prozesse eine Top-Priorität sind, weil bestehende Möglichkeiten es ihnen schwer machen, einen umfassenden Blick auf ihre Kunden und Einblicke in deren Daten zu bekommen.

Doch wie soll dieser verbesserte Einblick im Einklang mit Datenschutz funktionieren? Um Marketern in Zukunft trotz aller Stolpersteine wie DSGVO, EU-Cookie-Law, ITP (Intelligent Tracking Prevention) trotzdem valide Daten liefern zu können, liegt der unternehmensinterne Fokus bei Google ganz klar auf Künstlicher Intelligenz (KI) und Machine Learning. So werden beispielsweise nicht-personenbezogene Daten wie Gerät, Zeit oder Interaktionstyp durch so genanntes Modeling zusammengeführt und abgeleitet.

Apple ITP

Kostenlose Verknüpfung mit Big Query

Apropos Machine Learning und Daten. Rohdatenanalyse (big data) war mit Google Analytics bisher nur sehr schwer möglich. Für eine Verbindung mit BigQuery musste man über Google Analytics 360 verfügen – der jährliche Kostenpunkt für diese Suite liegt jedoch im sechsstelligen Euro-Bereich. Mit der Einführung von GA4 ermöglicht Google nun eine kostenlose und uneingeschränkte Verknüpfung mit BigQuery.

Vorstellung von Google Analytics 4 auf YouTube

Google hat im hauseigenen Analytics-Kanal auf YouTube ein knapp fünf Minuten langes Video zu Google Analytics 4 hochgeladen, welches die Key Facts (Hintergründe, Funktionen) beschreibt. Dieses Video (auf Englisch) könnt ihr euch gleich unter dem Text anschauen.

Google Skillshop Kurs für den Einstieg in Google Analytics 4

Der Google Skillshop ist eine Plattform, in der Google verschiedenste Kurse für die eigenen Tools wie Ads, Analytics, MyBusiness, Tag Manager, Ad Manager uvm. bereitstellt. Seit 15. Oktober gibt es dort ebenfalls einen Einsteigerkurs für GA4.

Ich habe diesen Kurs bereits selber absolviert und empfehle dies auch allen Nutzern, welche mehr über GA4 wissen wollen oder den Schritt in Richtung Upgrade wagen wollen. So zeigt die nachfolgende Grafik aus den Kursinhalten beispielsweise, wie ein GA-Account in Zukunft aufgebaut sein wird.

Google Analytics Account

Anleitung zum Umstieg auf die neue Google Analytics 4 Property

Alle Infos bzw. eine Anleitung zum Umstieg auf GA4 findet man unter https://support.google.com/analytics/answer/10089681 bzw. https://support.google.com/analytics/answer/9744165?hl=en – nachfolgend eine Skizze der ersten Schritte.

  1. Bei Google Analytics anmelden und in die Verwaltungsebene wechseln (Zahnrad links unten).
  2. Unter Property auf die gewünschte UA-Property wechseln (wenn es nur eine Property in einem Konto gibt, ist diese automatisch ausgewählt).
  3. Auf den Button “Upgrade to GA4” klicken.

Aber Achtung: GA4 befindet sich noch in der Beta-Phase. Dies bedeutet, dass noch nicht jeder GA-Account das “Upgrade” auf die neue Version durchführen kann.

Wer GA über den Google Tag Manager in seine Website eingebunden hat, für den gibt es eine gesonderte Anleitung. Außerdem hat Google eine Videoanleitung zur Einbindung über den GTM auf YouTube zur Verfügung gestellt.

Soll ich so schnell wie möglich auf Google Analytics 4 umsteigen?

Die Empfehlung von Google ist, eine zusätzliche GA4-Property anzulegen und parallel zum bestehenden Setup einzubinden – in der Fachsprache dual tagging genannt. Auf keinen Fall sollte man seine UA-Property deaktivieren oder gar löschen – hier würden alle historischen Daten und Zahlen verloren gehen.

Vielmehr bietet GA4 eine andere Sichtweise auf das, was auf der eigenen Website oder im eigenen Webshop passiert. Die nachfolgende Grafik zeigt auch nochmal die gravierendsten Unterschiede zwischen UA-Propertys und GA4-Propertys.

Unterschied UA und GA4

Übrigens: es ist derzeit noch nicht bekannt, ob oder wann UA eingestellt wird. Es ist jedoch davon auszugehen, dass Version 3 nicht mehr weiterentwickelt wird.

Webanalyse bei MONOBUNT

Es wird noch eine Weile dauern, bis GA4 (vollständig) aus dem Beta-Status herauskommen wird. Doch es lohnt sich allemal, so schnell wie möglich auf den Trend aufzuspringen und eine GA4-Property anzulegen, wenn man die Möglichkeit dazu bekommt. Wir empfehlen somit, mit der Aktivierung von GA4 schon jetzt für die optimale Basis für zukünftiges Tracking und zukünftige Analysen zu sorgen.

Du willst mehr Infos zu GA4 oder benötigst Hilfestellung bei der Implementierung der neuen Property auf deiner Website? Dann kontaktiere uns und wir stellen einen gemeinsamen Plan zur Konfiguration und Nutzung von Google Analytics 4 auf die Beine.

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