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tl;dr: In diesem Blogartikel erkläre ich, was der European Accessibility Act (EAA) ist, warum dieser ab Juni 2025 relevant für dein Unternehmen wird und was die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) damit zu tun haben. In weiterer Folge nenne ich dir Tools und Ansätze, wie du deine Website barrierefrei(er) gestalten kannst und welche Bereiche inhaltlicher und technischer Natur du dabei berücksichtigen musst.
Letztes Update: 11. September 2024
Lesedauer: 17 Minuten
Hast du schon einmal vom European Accessibility Act (EAA) oder den Web Content Accessibility Guidlines (WCAG) gehört? Wenn dies nicht der Fall ist, dann wird sich das im Laufe der nächsten Monate ziemlich sicher ändern.
Gleich vorweg ein Disclaimer: der Autor dieser Zeilen ist Marketer bzw. Consultant im Digitalbereich, aber kein Jurist oder Rechtsexperte. In diesem Blogpost gibt er nach bestem Wissen und Gewissen wider, was eine Recherche zu diesem Thema ergeben hat. Alle nachfolgenden Informationen ersetzen also keine Rechtsberatung und sind daher ohne Gewähr. Prüfe immer selbst, ob du betroffen bist und welche Maßnahmen gelten.
Was ist der European Accessibility Act (EAA)?
Im April 2019 hat die Europäische Union (EU) Richtlinien zur digitalen Barrierefreiheit unter der Bezeichnung „EU-Richtlinie „2019/882 – European Accessibility Act (EAA)“ festgelegt. Das Ziel dieser Direktive ist es, allen Menschen gleichen Zugang zu Telekommunikation, Software und dem Internet zu ermöglichen. Mit dem Barrierefreiheitsgesetz (Anm. so die deutsche Bezeichnung, kurz BaFG) werden Unternehmen innerhalb der EU verpflichtet, nur mehr barrierefreie Produkte mit Schwerpunkt Informations- und Kommunikationstechnologie auf den Markt zu bringen.
Unter das Gesetz fallen dabei alle Unternehmen mit mehr als 10 Mitarbeitenden oder einer Jahresbilanzsumme von über 2 Millionen EUR. Bei Verstößen gegen das Barrierefreiheitsgesetz können Verwaltungsstrafen von bis zu 80.000 EUR verhängt werden.
Ab wann muss meine Website barrierefrei sein?
Ab dem 28. Juni 2025 (Anm. – das sind zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels nur mehr 290 Tage) müssen digitale Angebote (Websites, Apps) von Unternehmen, die unter den EAA fallen, barrierefrei gestaltet sein. Außerdem muss in einer Barrierefreiheitserklärung oder in den AGB darüber aufgeklärt werden, wie die Dienstleistung die Barrierefreiheitsanforderungen erfüllt (Anlage 3 des BaFG). Vor dem 28. Juni 2025 vereinbarte Dienstleistungsverträge dürfen bis zu ihrem Ablauf unverändert fortbestehen, allerdings nicht länger als fünf Jahre ab diesem Datum.
Welche Dienstleistungen und Services konkret vom EAA betroffen sind und welche Ausnahmen (und Ausnahmeregelungen) es gibt, findest du auf der Website des österreichischen Behindertenrats. Weitere Informationen zum Barrierefreiheitsgesetz rund um die Auswirkungen auf Unternehmen findest du u.a. auf der Website der WKO.
Ich gehe im weiteren Verlauf des Blogartikels konkret auf Aktionspunkte in Bezug auf Websites ein und zeige dir, warum du Barrierefreiheit nicht als lästige Verpflichtung ansehen sollst, sondern als Gelegenheit bzw. Chance für die Verbesserung von Usability und Suchmaschinenoptimierung deiner Webpräsenz.
Warum ist Barrierefreiheit generell wichtig?
Wusstest du, dass über 1.3 Milliarden Menschen eine dauerhafte Behinderung haben? Das sind ca. 1/6 aller Menschen bzw. über 16% der Weltbevölkerung. 15-20% der Weltbevölkerung ist neurodivers – das bedeutet, bei ihnen wurden Störungen wie Dyslexie, ADHD oder Autismus diagnostiziert.
Einer Studie von Eurostat (siehe Screenshot) zufolge lebten im Jahr 2022 27% der Bevölkerung über 16 Jahren mit einer Form von Behinderung oder Einschränkung. Dies entspricht absolut gesehen 101 Millionen Menschen. In Österreich waren es knapp unter 30%, wobei das Risiko von Behinderungen und Einschränkungen mit zunehmendem Alter wächst und es bei Menschen über 65 Jahren bereits über 50% sind.

Auch wenn Barrierefreiheit „nur“ für etwa 10% aller Menschen (mit Behinderungen) unbedingt erforderlich und für knapp 30% (Behinderungen inkl. Einschränkungen) notwendig ist, so ist sie für 100% aller Menschen hilfreich, weil sie die Usability verbessert.

Grafik/Statistik via https://www.google.com/intl/de/accessibility/
Denn abgesehen von Behinderungen und Störungen konsumieren z.B. auch über 60% der Generation-Z digitale Video-Inhalte auf YouTube, TikTok, Instagram, Netflix und anderen Plattformen stets mit Untertiteln. Wenn du deine digitalen Inhalte barrierefrei gestaltest, signalisierst du soziale Verantwortung und erzeugt damit ein positives Image für dein Unternehmen.
Was sagt Google zur Barrierefreiheit?
Barrierefreiheit ist ein Teil der Mission von Google, der Konzern aus Mountain View will die Informationen der Welt „organisieren und allgemein zugänglich und nutzbar machen„. Barrierefreiheit ermöglicht es lt. Google allen Benutzenden, unabhängig von ihren psychischen oder physischen Fähigkeiten, auf Inhalte und Produkte von Google uneingeschänkt zuzugreifen und sie nutzen zu können.
Ganz ohne andere Hintergedanken ist die Herangehensweise vermutlich jedoch nicht. Eine Studie der WHO schätzt die globale Kaufkraft von Menschen mit Behinderungen (und deren Familien) auf 8 Milliarden USD. 71% aller Onlinekäufer:innen mit Barrierefreiheit-Anforderungen verlassen eine Website, wenn es Probleme mit der Usability gibt. Und noch im Jahr 2021 hatten 94% der größten E-Commerce-Websites der Welt teilweise gravierende Mängel bei der Barrierefreiheit. Wie du siehst, kann die richtige Umsetzung von Barrierefreiheit also eine wirtschaftliche Chance bedeuten und zu deinem Geschäftswachstum beitragen.

Quellen: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/deafness-and-hearing-loss, https://docs.google.com/presentation/d/1XSctRHSrVdmmNuycCG0_xaU9pEQxk-toA-JRAWNW4FA/present?slide=id.g42bb89db19_0_662 & https://www.adweek.com/brand-marketing/study-shows-brands-need-to-do-a-better-job-reaching-people-with-disabilities/
Was sind die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG)?
Das World Wide Web Consortium (W3C) ist das internationale Gremium zur Standardisierung der Techniken im Internet. Es wurde 1994 am MIT (Cambridge/USA) gegründet. Tim Berners-Lee, der Erfinder des World Wide Web, ist Mitgründer und Vorsitzender des W3C.
Beispiele für durch das W3C standardisierte Technologien sind u.a. HTML, XML und CSS. Im Dezember 2008 wurde auch WCAG 2.0 als Webstandard definiert. Auf den Unterschied zwischen WCAG 2.o, 2.1 und 2.2 sowie die drei Levels A, AA und AAA gehen wir an dieser Stelle nicht genauer ein. Wenn du das Level AA erfüllst, erfüllst du automatisch auch das Level A. Wenn du AAA erfüllst, erfüllst du auch AA.
Um die Vorgaben des BaFG einzuhalten, muss der Standard WCAG 2.2 Level AA eingehalten werden. Um diese WCAG-Kriterien zu erfüllen, müssen digitale Produkte (z.B. Websites, Apps) vier Prinzipien in Bezug auf die Zugänglichkeit erfüllen:
- Wahrnehmbarkeit: Informationen und UI-Komponenten müssen für Nutzende wahrnehmbar (perceivable) sein.
- Bedienbarkeit: UI-Komponenten und Navigationselemente müssen bedienbar (operable) sein.
- Verständlichkeit: Informationen und die Bedienung von Webistes müssen verständlich (understandable) sein.
- Robustheit: Inhalte müssen vom Großteil der User Agents und assistierenden Technologien zuverlässig (robust) interpretiert werden können.
Was sind die häufigsten WCAG-Fehler und Probleme?
Wenn wir nach diesen vier Kriterien trennen, gibt es in jeder Kategorie typische Fehler und Probleme rund um die Erfüllung der WCAG, die wir in der nachfolgenden Tabelle darstellen:
| Kriterium | Häufige Probleme |
| Wahrnehmbarkeit | Fehlende Textalternativen für Bilder (ALT-Tags) oder Steuerelemente |
| Wahrnehmbarkeit | Schlechtes Kontrastverhältnis (Bild/Text oder Vorder-/Hintergrund) |
| Bedienbarkeit | Funktionalitäten des Inhalts sind nicht nur mit der Tastatur bedienbar |
| Bedienbarkeit | Die Website hat keine gute Struktur (z.B. keine H1, H2, H3) |
| Verständlichkeit | Sprache der Seite ist zu komplex (Fremdwörter, Spezialwörter, etc.) |
| Verständlichkeit | Fehlende Beschriftung (Labels) oder Anweisungen bei Formularen |
| Robustheit | Fehler in der Element- und Attribut-Syntax |
| Robustheit | Seite ist mit gängigen Browsern oder Geräten nicht kompatibel |
| Robustheit | Seite ist nicht responsiv erstellt |
Der WebAIM Million Bericht aus dem März 2024 gibt auf Basis der Top-1-Million-Websites genaue Aufschlüsse darüber, was weltweit die häufigsten Fehler und Probleme rund um die Einhaltung der WCAG-Standards sind.

Im Vergleich der letzten sechs Jahre hat die Anzahl der Seiten mit niedrigem Kontrast, fehlendem Alternativtext, leeren Links und fehlender Dokumentensprache abgenommen, während die Anzahl der Seiten mit fehlenden Formular-Eingabebeschriftungen und leeren Schaltflächen weitgehend unverändert geblieben ist.
Was sind ARIA-Attribute?
Bei ARIA-Attributen (Accessible Rich Internet Applications) handelt es sich um spezielle HTML-Attribute, die entwickelt wurden, um die Zugänglichkeit von Webinhalten und Webanwendungen für Menschen mit Behinderungen und Einschränkungen zu verbessern. Diese Attribute helfen dabei, interaktive Elemente und dynamische Inhalte für Screenreader und andere Hilfstechnologien verständlicher zu machen. Mit ARIA-Attributen können Web-Entwickler demnach sicherstellen, dass interaktive Webanwendungen und komplexe Webseiten für alle Benutzer zugänglich sind.

(Beispiel bzw. Screenshot von https://web.dev/articles/aria-labels-and-relationships?hl=de)
Welche Tools kann ich für die Analyse von WCAG-Problemen verwenden?
Um das Kontrastverhältnis (Wahrnehmbarkeit) zu überprüfen, gibt es die WAVE (Web Accessibility Evaluation) Tools, welche für den Chrome-Browser auch als Erweiterung verfügbar sind. Dort siehst du Fehler, Kontrastfehler, Optimierungsmöglichkeiten, erfüllte WCAG-Features, Strukturelemente (wie z.B. H-Überschriften) und ARIA-Attribute. Im nachfolgenden Screenshot siehst du die WAVE-Tools im Einsatz auf der eigenen Website.

Auch Google Lighthouse ist ein empfehlenswertes Tool, wenn es um die Überprüfung der Bereiche Zugänglichkeit und ARIA-Attribute geht. Wenn du die Chrome-Erweiterung installiert hast, kannst du jede beliebige Website durch Öffnen der Dev-Tools (Rechtsklick in die Seite > Untersuchen > Lighthouse) einer Lighthouse-Analyse unterziehen.

Im Anschluss daran bekommst du einen Report mit einem Gesamtwert, der zwischen 0 und 100 liegt. Auf Basis der bestandenen (und nicht bestandenen) Audits siehst du, was auf deiner Website verbessert werden muss. Mit diesem Report kannst du zu deinem Entwickler (oder deiner Web-Agentur) gehen und deine Webpräsenz auf Basis dieser Informationen optimieren lassen.
Neben den WAVE-Tools und Google Lighthouse kannst du auch deine Tastatur verwenden, um die Bedienbarkeit einer Seite zu testen. Kannst du bestimmte Inhalte (z.B. Seiten, Buttons, Links) nur durch Benutzung von Tabulator- und Enter-Taste erreichen? Wenn die Antwort darauf „ja“ ist, dann erfüllst du die WCAG-Anforderungen. Darüber hinaus gibt es (kostenlose) Screenreader wie NVDA, mit denen du die Inhalte deiner Website vorlesen lassen kannst und dabei sozusagen hörbar wird, ob es Inhalte gibt, die fehlen oder nicht funktionieren.
Wie kann ich die Barrierefreiheit meiner Website verbessern?
Gleich vorweg, es gibt leider keine Allround-Lösung um die Barrierefreiheit deiner digitalen Präsenz zu optimieren. Ich würde dir daher empfehlen, stets mit einem kritischen Selbsttest deiner eigenen Website zu beginnen.
Stell dir vor, du bist zum ersten Mal auf deiner Website. Sind deine Produkte oder Dienstleistungen leicht verständlich erklärt? Wie einfach ist es, ein Formular auszufüllen, die Suche zu nutzen, den Newsletter zu abonnieren, einen Blogartikel zu kommentieren, ein Produkt zu kaufen? Je nachdem, wie die Antworten auf diese Fragen ausfallen – welche inhaltliche, strukturelle oder visuelle Verbesserungsmöglichkeiten kommen dir sofort in den Sinn?
In weiterer Folge kannst du die zuvor genannten Tools für spezifische Tests (z.B. WAVE, Lighthouse, NVDA) verwenden. Beginne dabei mit deiner Homepage und gehe dann Schritt für Schritt zu den wichtigsten Unterseiten weiter. Vergiss aber auch die rechtlich relevanten Seiten wie Impressum, AGB und Datenschutz nicht. Nachfolgend beschreiben wir sieben verschiedene Bereiche, die dabei optimiert werden sollen.
Responsives Webdesign
Was schon seit vielen Jahren der Web-Standard sein sollte – deine Inhalte sollten sich auf allen Geräten responsiv verhalten. Das bedeutet, die Inhalte und Eingabeelemente (also das Gesamtlayout) passen sich automatisch an die jeweilige Fenstergröße des Browsers an. Mit den Entwickler-Tools deines Browsers kannst du auch bestimmte Viewports (z.B. Smartphone, Tablet) emulieren. Für Profis gibt es auch mächtigere Tools wie Polypane, um die Usability und Barrierefreiheit auf verschiedenen Viewports zu testen.

Bild- und Textelemente sollen durch konsistente Verwendung von HTML und CSS stets voneinander getrennt sein. Die zuvor erwähnten Screenreader sind damit in der Lage, deine Inhalte sauber und logisch vorzulesen. Auf ein responsives Layout deiner Webpräsenz sollte schon zum Zeitpunkt des Screendesigns geachtet werden. Je besser du deine Elemente (z.B. Text- und Bildbausteine, Navigation, Buttons) schon in dieser Phase definierst, desto weniger Probleme wirst du (oder deine Web-Entwickler) bei der barrierefreien Umsetzung haben.
WordPress Theme Accessibility WCAG 2.2 AA
Wenn du hinsichtlich Content Management System (CMS) auf WordPress zurückgreifst – hier gibt es vom Mutter-Konzern Automattic schon viele hilfreiche Informationen und Anpassungen rund um die Barrierefreiheit. Wenn du im Themes-Verzeichnis von WordPress unterwegs bist, kannst du mit wenigen Klicks nach allen Themes filtern, die bereits die WCAG 2.2 AA Kriterien und damit auch die Vorgaben des BaFG erfüllen.

Alle diese Themes lassen sich über die Tastatur bedienen, überprüfen dass die empfohlenen Kontrastverhältnisse eingehalten werden und achten darauf, dass die HTML-Struktur semantisch korrekten Code verwendet. Wir selbst können die Themes Astra und Hello Elementor empfehlen, da sie nicht nur zugänglich in Bezug auf das BaFG sind, sondern auch leichtgewichtig sind und auf überflüssigen Schnickschnack verzichten.
Darstellung von Inhalten, Schriften und Links
Barrierefreiheit ist nicht nur ein technisches Thema, sondern im laufenden Betrieb auch vor allem ein inhaltliches Thema. Eine durchdachte Navigations- sowie Inhaltsstruktur vereinfacht die Navigation auf deiner Website für deiner Nutzer:innen:
- Lege den Fokus jeder (Unter-)Seite auf den Hauptinhalt und verwirre Nutzende nicht.
- Gestalte deine Seitentitel (quasi die H1-Überschrift) daher immer so aussagekräftig wie möglich.
- Halte deine URLs so kurz wie möglich und verzichte auf zu viele Unterebenen.
- Deine Nutzer:innen sollen schnell ans Ziel kommen und immer genau wissen, wo sie sich befinden. Dabei helfen auch die sogenannten Breadcrumbs.
- Links sollten von einem beschreibenden Namen und einem Ankertext begleitet werden, der das Ziel des Links klar identifiziert.
Schriftarten, Kontraste und Farbwahl
Nicht nur die Inhalte, sondern auch die Darstellung der Inhalte spielt eine große Rolle. Eine leserliche Schriftart und eine angemessene Schriftgröße sind nicht nur angenehm für das Auge, sondern sorgen auch dafür, dass deine Inhalte von Menschen mit Sehbeschränkungen besser wahrgenommen werden können.
Bei Fließtexten sollte die Schriftgröße mindestens 16px sein. Du solltest dabei nur serifenlose Schriftfamilien mit festen Abständen zwischen den Buchstaben (z.B. Arial, Calibri oder Tahoma) verwenden. Das Tool von Typescale kann dich dabei unterstützen, die richtigen Schriftarten, Schriftgrößen und Größenverhältnisse für deine Website zu definieren.

Auch Textformatierungen wie fett, GROSS oder kursiv verbessern die Lesbarkeit deiner Inhalte. Generell sollen Inhalte und Texte auf ihrem Hintergrund gut erkennbar sein. Vermeide daher rot-grün-Kombinationen, grelle Farben (die für das Auge anstrengend sind) und achte auf hohe Kontraste bzw. das Kontrastverhältnis zwischen Text und Hintergrund.
Auch zur Analyse des Kontrastverhältnisses kannst du die Dev-Tools deines Browsers verwenden. Wenn du z.B. in Google Chrome mit der rechten Maustaste auf ein Element klickst und dieses untersuchst, bekommst du in einem Overlay die Information angezeigt, ob dieses Element die Zugänglichkeits-Standards erfüllt.

Sprache und verständliche Formulierungen
Neben der Struktur und Darstellung der Inhalte ist auch die Sprache der Inhalte an sich relevant. Verwende stets eine gut verständliche Sprache und vermeide hochgestochene Formulierungen. Schreibe also „Erfolg haben“ und nicht „reüssieren“ oder „Experten“ und nicht „Koryphäen“. Halte deine Sätze außerdem so kurz wie möglich und vermeide Schachtelsätze. Wenn du Fremdwörter oder Fachwörter verwendest, erkläre diese im Text.
Zur Überprüfung der Verständlichkeit und Komplexität deiner Texte gibt es verschiedene Lesbarkeitstests wie den Flesch-Reading-Ease oder die Wiener Sachtextformel. Den Flesch-Score kannst du auch mit dem beliebten SEO-Tool Screaming Frog (das wir selbst seit Jahren nutzen) überprüfen. Auch bei der Erstellung von Texten in Word oder in einem Google-Dokument solltest du schon während der Konzeptphase auf Barrierefreiheit achten.
Formulare, Abstimmungen und Quizzes optimieren
Auf vielen Websites stellen Formulare ein Hindernis für Barrierefreiheit dar. Es gibt daher eine Reihe an Empfehlungen, die du berücksichtigen sollst:
- Benenne in jedem Formular alle Felder klar und eindeutig.
- Halte ein Formular auch immer so kurz wie möglich.
- Wenn du mehr Informationen benötigst, verwende ein Formular-Tool, mit denen du diese schrittweise abfragen kannst.
- Kennzeichne stets verpflichtende Felder (z.B. mit einem * oder der Bezeichnung „Pflichtfeld“).
- Wenn ein Feld fehlerhaft befüllt wird, sollte es immer einen konkreten Hinweis an der Stelle des Fehlers geben. Also z.B. „Es handelt sich dabei um keine korrekte E-Mailadresse“ direkt über/unter/neben dem E-Mail-Feld.
- Achte darauf, dass solche Fehlermeldungen ein gutes Kontrastverhältnis zu den Formularfeldern haben und damit leicht erkannt werden können.

ALT-Texte für Bilder verwenden
Alternative Texte für Bilder (ALT-Texte) sind nicht nur relevant für SEO, sondern auch eine große Hilfe für blinde Personen und Menschen mit Sehschwäche. Bei der Verwendung eines Screenreaders wird dabei jener Text vorgelesen, der im ALT-Tag hinterlegt ist. Die Befüllung von ALT-Tags sollte also nicht für Keyword-Spamming verwendet werden, sondern du solltest klar und verständlich beschreiben, was auf dem Bild zu sehen ist.
Wenn sich auf deiner Website tausende Bilder ohne ALT-Tags befinden, dann kannst du auch Plugins mit KI-Unterstützung verwenden. Für WordPress gibt es mit Alt Text AI ein gut bewertetes Plugin, das durch Verbindung mit deinem ChatGPT-Account automatisiert sinnvolle ALT-Bezeichnungen für die Bilder in deiner Medienbibliothek erstellen kann. Das Plugin unterstützt zudem Tools wie WPML oder Polylang und kann Texte in über 130 Sprachen generieren.

Fazit und Ausblick
Solltest du Angst oder gar Panik vor der Erfüllung des Barrierefreiheitsgesetzes haben? Ganz und gar nicht. Wie mehrfach erwähnt, solltest du das BaFG als Chance und nicht als Hindernis sehen. Du hast jetzt noch knapp 300 Tage Zeit, um schwerwiegende Probleme und Fehler auf deiner Webpräsenz zu identifizieren und in weiterer Folge zu beheben. Wir empfehlen dir, zunächst die offensichtlichsten Barrieren aus dem Weg zu räumen (z.B. schwer lesbare Schriftarten, komplexe Texte, fehlende Kontraste, fehlende ALT-Texte für Bilder oder unlogische Seitenaufbauten).
Wenn das technische Fundament deiner Website nicht mehr ganz frisch ist, solltest du das Barrierefreiheitsgesetz sogar als perfekte Gelegenheit für einen Relaunch deiner Webpräsenz ansehen. Bei MONOBUNT achten wir bereits seit längerer Zeit darauf, dass Anforderungen gemäß WCAG 2.2 AA bei neuen Projekten direkt bei der Umsetzung erfüllt werden. Wir nehmen also dementsprechend Rücksicht auf kompatible Themes und Plugins, bei der Gestaltung von Design- und Content-Elementen sowie dem Aufbau von Formularen, womit wir im Normalfall im Google Lighthouse Audit ohne eine spezifische Optimierung deutlich mehr als 80/100 Punkte erreichen.

Beispiel 1: APOfit (Relaunch im Juni 2024)

Beispiel 2: s-4personal.at (Relaunch im Juli 2024)
Geförderte Beratung & Umsetzung von barrierefreien Webpräsenzen
Du kannst auch Digital-Förderungen wie ERFOLG.PLUS, DIGITAL.PLUS (jeweils WKO OÖ) oder KMU.Digital (WKO) beantragen und deine aktuelle Webpräsenz innerhalb eines Förderprojekts analysieren und optimieren/umsetzen lassen. Wenn du Interesse an einer Beratung oder Umsetzung hast, kannst du uns gerne über unser Kontaktformular kontaktieren, unter 07752/21112 anrufen oder auch hier kommentieren. Wir freuen uns auf dein Feedback und deine Fragen!
Über den Autor
Gerald Emprechtinger ist seit August 2017 im Team von MONOBUNT und hat seit Februar 2022 die Rolle des Agenturleiters inne. Er hat 2006 ein Diplomstudium für Betriebswirtschaft und Informationsmanagement an der FH Salzburg sowie 2023 ein Masterstudium für Digital Marketing & Analytics am MCI Innsbruck abgeschlossen. Er ist Certified Digital Consultant (CDC) und schreibt regelmäßig Blogartikel über relevante Themen in der Digitallandschaft. Hier geht es zu den weiteren Blogartikeln von Gerald bei MONOBUNT.